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Histaminintoleranz

Version von

HamsterD

Foren Kaiserin


20. November 2011, 00:42

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Histaminose (Histaminintoleranz (wird von Betroffenen oft kurz als HIT bezeichnet), Histaminunverträglichkeit) beschreibt die chronische Unverträglichkeit von stark histaminhaltigen Nahrungsmitteln bzw. die Unfähigkeit des menschlichen Körpers, aufgenommenes Histamin im ausreichenden Maße abzubauen. Sie ist oft Folge oder Begleiter anderer Unverträglichkeiten oder Allergien.

Symptome und Beschwerden
Die häufigsten zehn Symptome einer Histaminintoleranz sind: Blähungen, Abgeschlagenheit, Erschöpfung, Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Bauchblubbern, Durchfall, Kreislaufprobleme und Darmkrämpfe. Es können aber noch sehr viel mehr auftreten, zum Teil können Betroffene ein ganz bestimmtes Symptom z.B. durch Verzehr eines bestimmten Nahrungsmittels hervorrufen. Weitere Symptome finden sich hier .

Ursachen
Histamin wird im Körper durch das Enzym Diaminoxidase (DAO) abgebaut. Bei einer Histaminintoleranz ist entweder die Aktivität dieses Enzyms eingeschränkt oder im Körper herrscht ein zu großes Überangebot an Histamin und zusätzlich durch die Nahrung aufgenommenes und im Körper gebildetetes Histamin kann nicht oder nur teilweise abgebaut werden.
Beim Verzehr histaminhaltiger (z. B. Rotwein oder Hartkäse) oder histaminfreisetzender Nahrungsmittel kommt es zu einer pseudoallergischen Reaktion des Körpers. Auch bei körperlicher Anstrengung (z. B. joggen) oder seelischer Erregung (Prüfungs-Nervosität) schüttet der Körper vermehrt Histamin aus. Eine Veränderung der hormonellen Situation kann ebenfalls auslösendes Moment sein, weshalb viele Frauen prämenstruell besonders stark unter den Symptomen einer Histaminose leiden. Migräneanfälle, Fließnase, Verdauungsprobleme u.a. treten in östrogenarmen Zyklusphasen verstärkt auf (vor der Periode und vor dem Eisprung). Außerdem gilt es noch zu erwähnen, dass der Körper im Zuge von Infektionskrankheiten (z. B. grippaler Infekt) eine geschwächte Abwehr hat und somit bei histaminreicher Ernährung noch empfindlicher ist, als sonst. Außerdem gibt es viele Medikamente, die das Enzym Diaminoxidase blockieren, und somit wiederum eine erhöhte Histaminbelastung für den Körper darbieten. Auch Sonnenbrand (bzw. Entzündungen) setzt im Körper Histamin frei und kann bereits vorliegende Beschwerden noch verstärken.
Eine Liste möglicher Trigger findet sich hier .

Diagnose
Es existiert bis jetzt keine einheitliche Vorgehensweise zur Diagnose einer Histamin-Intoleranz. Ein ausführliches Arzt-Patienten-Gespräch steht an erster Stelle jeder Diagnostik. Eine Eliminationsdiät ist oft die Methode der Wahl. Dabei wird der Patient auf eine histaminarme Kost gesetzt, die er rund vier Wochen einhalten muss. Bei einer vorhandenen Histamin-Intoleranz erfolgt eine relativ rasche Symptom-Besserung. Um definitiv abzuklären, ob eine Histamin-Intoleranz vorliegt, kann eine doppelblinde placebokontrollierte orale Provokation erfolgen.
Für die Diagnose ist eine Anamnese (Erhebung der Vorgeschichte) wichtig. Oft wird zuerst eine symptomatisch naheliegende Nahrungsmittelallergie vermutet, aber Pricktest und RAST (Bluttest mit Allergenen) sind typischerweise negativ. Die Diagnose einer Histaminintoleranz erfolgt über die Bestimmung der Wirksamkeit der Diaminoxidase im Blut, oft in Verbindung mit der Bestimmung des Methylhistamins im Stuhl.
Obwohl die Anamnese - wie bei eigentlich allen diffusen Krankheitsbildern, zu denen die Histaminintoleranz ja auch gehört - mit zum wichtigsten diagnostischen Hilfsmittel gezählt werden muss, wurde vor einigen Jahren ein neues Testverfahren beschrieben. Bei diesem Testverfahren handelt es sich um den sogenannten H40-Test (L. Kofler, Histaminintoleranz und biologische Reaktionen auf die Haut, 2006). Dieser ist im Prinzip ein einfacher Pricktest, bei dem eine Histaminquaddel gesetzt und ihr Durchmesser nach 40 Minuten in Millimetern gemessen wird. Aus den ausgewerteten Daten konnten mehrere Schlüsse gezogen werden, von denen drei Schlussfolgerungen besonders wichtig erscheinen:

1. Es gibt eine Häufigkeit der Symptome beim eigentlich diffusen Krankheitsbild ‚Histaminintoleranz’, die nicht dem entspricht, was im Vorfeld angenommen wurde.
Im Regelfall wird die Anamnese besonders auf Symptome wie Kopfweh, Magen-Darmbeschwerden, seltener Herzprobleme ausgerichtet; eine Häufung der Angaben kristallisierte sich bei der Untersuchung allerdings nur für Rhinitis und Blähungen heraus.

2. Die Aufarbeitung der Daten lässt einen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen der Diagnose Histaminintoleranz und der Dauer der Quaddel beziehungsweise des Erythems erkennen.

3. Von diesen Daten können außerdem Wahrscheinlichkeitswerte berechnet werden.
Die Wahrscheinlichkeit, mit der man bei einem positiven Test, bei einer Quaddel nach 40 Minuten, an einer Histaminintoleranz leidet, liegt hier bei 85%.
Die Wahrscheinlichkeit, dass der Patient bei einem negativen Testresultat, also bei keiner messbaren Quaddel nach 40 Minuten, nicht unter einer Histaminintoleranz leidet, liegt bei 64%.
Das Risiko an einer Histaminintoleranz zu leiden für einen Patienten ist 10 mal größer, wenn nach 40 Minuten noch eine Quaddel messbar ist. Die Sensitivität, die aussagt, wie häufig ein unter Histaminintoleranz leidender Patient wirklich eine Quaddel nach 40 Minuten hat, liegt bei 83,6%.
Die durchgeführte Untersuchung zeigt also, dass die Messung der Quaddel, die von einer Histaminlösung im Zuge eines Pricktests hervorgerufen wurde, nach 40 Minuten einen einfachen und signifikanten Test zur Diagnostik von Histaminintoleranz darstellt. Dies ist in der vorliegenden Untersuchung erstmals gezeigt worden und wurde bisher noch nie beschrieben. Da der Pricktest einen Standardtest in jeder Praxis darstellt, ist damit eine einfache, rasche und kostengünstige Diagnostik möglich.

Therapie
Wichtigste Maßnahme ist eine histaminfreie/-arme Ernährung und Karenz (eventuell auch aufgrund anderer Unverträglichkeiten/Allergien) problematischer Nahrungsmittel. Auch sollten Nahrungsmittel, die potentielle Histaminliberatoren (biogene Amine) enthalten, aus dem Speiseplan zeitweise gestrichen werden. Darüberhinaus ist zu beachten, dass bei einer diagnostizierten Histaminose eine Immuntherapie (Hypo-/Desensibilisierung) kontraindiziert ist, da die Wahrscheinlichkeit einer Genesungswirkung gering, die verstärkter Probleme hingegen hoch ist.
Dem Vitamin B6 wird eine Coenzym-Funktion für Diaminoxidase zugesprochen. Bei nachgewiesenem Vitamin-B6-Mangel ist eine Substitution (1/2 mg pro Tag und kg Körpergewicht) als therapeutische Maßnahme bei Histamin-Intoleranz und auch bei Neurodermitis sinnvoll. Bei eiweißreicher Ernährung wird eine höhere Vitamin B6-Aufnahme empfohlen[1], da zum Abbau von Proteinen Vitamin B6 gebraucht wird. Auf einen hohen Quotienten Vitamin B6 / Eiweiß in der Nahrung ist daher mehr zu achten als auf den Vitamin B6 – Gehalt selbst.
Vitamin C in Dosierungen zwischen 1 und 3 Gramm täglich ist möglicherweise in der Lage, die Histaminspiegel bei Patienten mit Seekrankheit oder Mastozytose deutlich zu senken[2]. Lesenswert ist in diesem Zusammenhang evtl. auch der Abschnitt "Histamin-Theorie", zu finden unter Reisekrankheit.
Die Grundlage der Behandlung besteht in einer Reduktion des mit der Nahrung zugeführten Histamins. Außerdem sollten Nahrungsmittel gemieden werden, die zwar selbst nicht viel Histamin enthalten aber im Körper gespeichertes Histamin freisetzen können, z. B. Zitrusfrüchte. Weiterhin können auch bestimmte Medikamente Histamin freisetzen (z. B. Morphin).
Ernährungstherapie
Die effektivste Methode ist das Vermeiden von histaminhältigen Nahrungsmitteln. Stark histaminhaltig sind zum Beispiel Rotwein, alter Käse, Gepökeltes, Hefebackwaren, Thunfischfleisch aus Dosen, Sauerkraut oder Salami.[2]
Antihistaminika
Bei eingetretenen Symptomen aber auch prophylaktisch - wenn sich der Verzehr histaminhaltiger Nahrungsmittel nicht vermeiden lässt - sind Antihistaminika wirksame Medikamente.
Vitamin C und B6
In Einzelfällen kann eine Symptombesserung durch die Gabe von Vitamin C und B6 erreicht werden. Vitamin C[3] in Dosierungen zwischen 1 und 3 Gramm täglich ist in der Lage, die Histaminspiegel bei Patienten mit Seekrankheit oder Mastozytose deutlich zu senken. Dem Vitamin B6 wird eine Coenzym-Funktion für Diaminoxidase zugesprochen. Bei nachgewiesenem Vitamin-B6-Mangel ist eine Substitution (1/2 mg pro Tag und kg Körpergewicht) als therapeutische Maßnahme bei Histamin-Intoleranz und auch bei Neurodermitis sinnvoll. Bei eiweißreicher Ernährung wird eine höhere Vitamin B6-Aufnahme empfohlen[4], da zum Abbau von Proteinen Vitamin B6 gebraucht wird. Auf einen hohen Quotienten Vitamin B6 / Eiweiß in der Nahrung ist daher mehr zu achten als auf den Vitamin B6 – Gehalt selbst.
Cromoglycinsäure
Cromoglycinsäure (DNCG) bewirkt eine Reduktion der Gewebehistaminspiegel und der Histaminfreisetzung[5]. Dabei sind besonders Bauchschmerzen, Blähungen (Flatulenz), Migräne und atopische Dermatitis gut zu beeinflussen.
DAO-Ersatz
Bis heute [6] ist kein Medikament bekannt, welches die Diaminoxidaseaktivität deutlich erhöht. Das Nahrungsergänzungsmittel PelLind®[3] enthält Schweinenierenextrakte, die auch Diaminoxidase enthalten sollen. Durch einen säurefesten Überzug geschützt, soll das Enzym im Darm freigesetzt werden und überschüssiges Nahrungshistamin abbauen. Die Ergebnisse von Studien[7] im Jahr 2006 zur Wirksamkeit gegen Symptome der Histamin-Intoleranz müssen noch abgewartet werden. Ob das Enzym im Darmlumen aktiv sein kann und ob Schweinenierenextrakte überhaupt DAO in ausreichend hoher Konzentration enthält, ist als zweifelhaft anzusehen.

Eine Übersicht über mögliche Antihistaminika und positve Verhaltensweisen bei HI findet sich hier .

Unverträgliche Nahrungsmittel
Hier einige Beispiele für unverträgliche Nahrungsmittel , die problematische Substanzen bei HI enthalten, ein Histaminliberator sind oder die DAO blockieren:
  • Aubergine (=Melanzane) - Histamin
  • Bier - Tyramin, Histamin
  • Eiweiss - Histaminliberatoren
  • Fermentierte Nahrungsmittel - vasoaktive Amine
  • Getreide - Histaminliberatoren, Schimmeltoxine (Aflatoxine)
  • Japanische Hirse - Schimmeltoxine (Aflatoxine)
  • Kokosnuss - Schimmeltoxine (Aflatoxine)
  • Mais - Schimmeltoxine (Aflatoxine)
  • Paprika - Capsaicin
  • Schweinefleisch - Histaminliberatoren
  • Spinat - Histamin
  • Zitrusfrüchte - vasoaktive Amine, Tyramin, Chlorogensäure
Eine ausführliche Verträglichkeitsliste findet sich in diesem Thread .

Wirkung von Medikamenten auf den Histaminabbau [3]
Personen mit Histamin-Intoleranz sollten schmerzhemmende Medikamente mit folgenden Wirkstoffen meiden: Meclofenaminsäure, Mefenaminsäure, Diclofenac und Acetylsalicylsäure, da diese die allergenspezifische Histaminfreisetzung steigern. Schmerzhemmende Medikamente mit folgenden Wirkstoffen hemmen die die allergenspezifische Histaminfreisetzung bei Allergikern und sind daher für diese gut geeignet: Fenbufen, Levamisol und Ibuprofen. Histamin-H1-Rezeptorenblocker bewirken eine bessere Verträglichkeit von Histamin (sei es durch Zufuhr aus Lebensmitteln oder Bildung im Körper durch allergische Reaktionen).
Weitere Informationen gibt es hier und hier .

Biogene Amine
Folgende biogene Amine wirken potentiell als Histaminliberatoren: Serotonin, Dopamin, Tyramin, Phenylethlyamin, Octopamin

Quellen
  1. Reinhart Jarisch (2004): Histamin-Intoleranz, Histamin und Seekrankheit. Thieme, ISBN 3-13-105382-8 Kap.8: S.140
  2. Reinhart Jarisch (2004): Histamin-Intoleranz, Histamin und Seekrankheit. Thieme, ISBN 3-13-105382-8 Kap.11: S.168/169
  3. Reinhart Jarisch (2004): Histamin-Intoleranz, Histamin und Seekrankheit. Thieme, ISBN 3-13-105382-8 Kap.5: S.123 - 126
  4. Artikel Histamin Intoleranz auf der Website des DAAB
Teile des Artikels basieren auf dem Artikel Histaminose aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

Weiterführende Info: Symptomliste Histaminintoleranz | Triggerliste Histaminintoleranz | Antihistaminikum | Karenzdiät | DAOsin

Kategorie: Hauptartikel | Nahrungsmittelunverträglichkeit