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Histaminintoleranz

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HamsterD

Foren Kaiserin


9. November 2013, 22:08

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Histaminose (Histaminintoleranz (wird von Betroffenen oft kurz als HIT bezeichnet), Histaminunverträglichkeit) beschreibt die chronische Unverträglichkeit von stark histaminhaltigen Nahrungsmitteln bzw. die Unfähigkeit des menschlichen Körpers, aufgenommenes Histamin im ausreichenden Maße abzubauen. Sie ist oft Folge oder Begleiter anderer Unverträglichkeiten oder Allergien.

Symptome und Beschwerden
Die häufigsten zehn Symptome einer Histaminintoleranz sind: Blähungen, Abgeschlagenheit, Erschöpfung, Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Bauchblubbern, Durchfall, Kreislaufprobleme und Darmkrämpfe. Es können aber noch sehr viel mehr auftreten, zum Teil können Betroffene ein ganz bestimmtes Symptom z.B. durch Verzehr eines bestimmten Nahrungsmittels hervorrufen. Weitere Symptome finden sich hier .

Ursachen
Ursachen für Histaminintoleranz gibt es einige, neben der erworbenen HI wird ach von der vererbten HI gesprochen. Häufig wird vom Ausbruch der HI nach Antibiotikaeinnahme oder einer Vergiftung berichtet, andere haben sie bereits von Geburt an. Aber auch andere Krankheiten bzw. Unverträglichkeiten können die HI hervorrufen. Nicht nur die Ernährung spielt also eine Rolle, sondern auch Chemikalien und Umweltgifte sowie teilweise auch das eigene Erbgut. Im Forum gibt es dazu auch einen entsprechenden Thread .

Histamin wird im Körper durch das Enzym Diaminooxidase (DAO) abgebaut. Bei einer Histaminintoleranz ist entweder die Aktivität dieses Enzyms eingeschränkt oder im Körper herrscht ein zu großes Überangebot an Histamin und zusätzlich durch die Nahrung aufgenommenes und im Körper gebildetetes Histamin kann nicht oder nur teilweise abgebaut werden.
Beim Verzehr histaminhaltiger (z. B. Rotwein oder Hartkäse) oder histaminfreisetzender Nahrungsmittel kommt es zu einer pseudoallergischen Reaktion des Körpers. Auch bei körperlicher Anstrengung (z. B. joggen) oder seelischer Erregung (Prüfungs-Nervosität) schüttet der Körper vermehrt Histamin aus. Eine Veränderung der hormonellen Situation kann ebenfalls auslösendes Moment sein, weshalb viele Frauen prämenstruell besonders stark unter den Symptomen einer Histaminose leiden. Migräneanfälle, Fließnase, Verdauungsprobleme u.a. treten in östrogenarmen Zyklusphasen verstärkt auf (vor der Periode und vor dem Eisprung). Außerdem gilt es noch zu erwähnen, dass der Körper im Zuge von Infektionskrankheiten (z. B. grippaler Infekt) eine geschwächte Abwehr hat und somit bei histaminreicher Ernährung noch empfindlicher ist, als sonst. Außerdem gibt es viele Medikamente, die das Enzym Diaminoxidase blockieren, und somit wiederum eine erhöhte Histaminbelastung für den Körper darbieten. Auch Sonnenbrand (bzw. Entzündungen) setzt im Körper Histamin frei und kann bereits vorliegende Beschwerden noch verstärken.
Eine Liste möglicher Trigger findet sich hier .

Diagnose
Es existiert bis jetzt keine einheitliche Vorgehensweise zur Diagnose einer Histamin-Intoleranz. Ein ausführliches Arzt-Patienten-Gespräch steht an erster Stelle jeder Diagnostik. Eine Eliminationsdiät ist oft die Methode der Wahl. Dabei wird der Patient auf eine histaminarme Kost gesetzt, die er rund vier Wochen einhalten muss. Bei einer vorhandenen Histamin-Intoleranz erfolgt eine relativ rasche Symptom-Besserung. Um definitiv abzuklären, ob eine Histamin-Intoleranz vorliegt, kann eine doppelblinde placebokontrollierte orale Provokation erfolgen.
Für die Diagnose ist eine Anamnese (Erhebung der Vorgeschichte) wichtig. Oft wird zuerst eine symptomatisch naheliegende Nahrungsmittelallergie vermutet, aber Pricktest und RAST (Bluttest mit Allergenen) sind typischerweise negativ. Die Diagnose einer Histaminintoleranz erfolgt über die Bestimmung der Wirksamkeit der Diaminoxidase im Blut, oft in Verbindung mit der Bestimmung des Methylhistamins im Stuhl.
Obwohl die Anamnese - wie bei eigentlich allen diffusen Krankheitsbildern, zu denen die Histaminintoleranz ja auch gehört - mit zum wichtigsten diagnostischen Hilfsmittel gezählt werden muss, wurde vor einigen Jahren ein neues Testverfahren beschrieben. Bei diesem Testverfahren handelt es sich um den sogenannten H40-Test (L. Kofler, Histaminintoleranz und biologische Reaktionen auf die Haut, 2006). Dieser ist im Prinzip ein einfacher Pricktest, bei dem eine Histaminquaddel gesetzt und ihr Durchmesser nach 40 Minuten in Millimetern gemessen wird. Aus den ausgewerteten Daten konnten mehrere Schlüsse gezogen werden, von denen drei Schlussfolgerungen besonders wichtig erscheinen:

1. Es gibt eine Häufigkeit der Symptome beim eigentlich diffusen Krankheitsbild ‚Histaminintoleranz’, die nicht dem entspricht, was im Vorfeld angenommen wurde.
Im Regelfall wird die Anamnese besonders auf Symptome wie Kopfweh, Magen-Darmbeschwerden, seltener Herzprobleme ausgerichtet; eine Häufung der Angaben kristallisierte sich bei der Untersuchung allerdings nur für Rhinitis und Blähungen heraus.

2. Die Aufarbeitung der Daten lässt einen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen der Diagnose Histaminintoleranz und der Dauer der Quaddel beziehungsweise des Erythems erkennen.

3. Von diesen Daten können außerdem Wahrscheinlichkeitswerte berechnet werden.
Die Wahrscheinlichkeit, mit der man bei einem positiven Test, bei einer Quaddel nach 40 Minuten, an einer Histaminintoleranz leidet, liegt hier bei 85%.
Die Wahrscheinlichkeit, dass der Patient bei einem negativen Testresultat, also bei keiner messbaren Quaddel nach 40 Minuten, nicht unter einer Histaminintoleranz leidet, liegt bei 64%.
Das Risiko an einer Histaminintoleranz zu leiden ist für einen Patienten zehn Mal größer, wenn nach 40 Minuten noch eine Quaddel messbar ist. Die Sensitivität, die aussagt, wie häufig ein unter Histaminintoleranz leidender Patient wirklich eine Quaddel nach 40 Minuten hat, liegt bei 83,6%.
Die durchgeführte Untersuchung zeigt also, dass die Messung der Quaddel, die von einer Histaminlösung im Zuge eines Pricktests hervorgerufen wurde, nach 40 Minuten einen einfachen und signifikanten Test zur Diagnostik von Histaminintoleranz darstellt. Dies ist in der vorliegenden Untersuchung erstmals gezeigt worden und wurde bisher noch nie beschrieben. Da der Pricktest einen Standardtest in jeder Praxis darstellt, ist damit eine einfache, rasche und kostengünstige Diagnostik möglich.

Therapie
Wichtigste Maßnahme ist eine histaminfreie/-arme Ernährung und Karenz (eventuell auch aufgrund anderer Unverträglichkeiten/Allergien) problematischer Nahrungsmittel. Auch sollten Nahrungsmittel, die potentielle Histaminliberatoren (biogene Amine) enthalten oder die Aktivität der DAO hemmen, aus dem Speiseplan zeitweise gestrichen werden. Darüberhinaus ist zu beachten, dass bei einer diagnostizierten Histaminose eine Immuntherapie (Hypo-/Desensibilisierung) nicht zielführend ist, da die Wahrscheinlichkeit einer Genesungswirkung gering, die verstärkter Probleme hingegen hoch ist.
Des Weiteren kann eine Therapie mit Vitamin C oder Vitamin B6 sinnvoll sein, genauso wie eine ergänzende Gabe von Antihistaminika.
Es gibt auch bereits seit den 1950er Jahren die Theorie, dass man den Organismus durch regelmäßige Kleinstmengen an zugeführtem Histamin den Körper wieder an die Verarbeitung desselben gewöhnen kann, auch wenn das bisher nicht abschließend nachgewiesen wurde. Klar ist bis jetzt, dass sich eine HI wieder zurückbilden kann, wenn sie durch eine andere Krankheit oder Unverträglichkeit hervorgerufen wird, sobald diese erfolgreich behandelt wird bzw. wurde.
Was kann ich tun?
Die Grundlage der Behandlung besteht in einer Reduktion des mit der Nahrung zugeführten Histamins. Außerdem sollten Nahrungsmittel gemieden werden, die zwar selbst nicht viel Histamin enthalten aber im Körper gespeichertes Histamin freisetzen können, z. B. Zitrusfrüchte, oder die Aktivität und Produktion der DAO hemmen können, wie z.B. Schokolade. Weiterhin ist dies auch bei manchen Medikamenten der Fall, daer sollten diese auch gemieden werden (z. B. Morphin). Des Weiteren kann die ergänzende Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln und Antihistaminika sinnvoll sein, ebenso wie das Meiden von Triggern wie z.B. Überanstrengung oder starkes Sonnenlicht. Die klassische Methode ist es, die Aufnahme von Nahrungsmitteln und Wirkstoffen zu Anfang so einfach wie möglich zu gestalten, als Karenzdiät, und sich von dort langsam zu dem Punkt vorzuarbeiten, an dem man so vielfältig isst wie mit der HI möglich.
Ernährung
Die effektivste Methode ist das Vermeiden von histaminhältigen Nahrungsmitteln. Stark histaminhaltig sind zum Beispiel Rotwein, alter Käse, Gepökeltes, Hefebackwaren, Thunfischfleisch aus Dosen, Sauerkraut oder Salami. Auch das Meiden von DAO-Hemmern und Histaminliberatoren ist vorteilhaft.
Die Lebensmittel werden besser vertragen, wenn sie frisch sind. Frische ist das oberste Gebot, daher wird die Verträglichkeit normalerweise auch dadurch gemindert, dass man bereits erhitzte Speisen nochmals aufwärmt. Der Zeitfaktor spielt dabei auch eine Rolle. Ein Fischfilet, welches noch auf dem Meer eingefroren wurde und direkt in die Tiefkühlung gegangen ist, kann, wenn man es direkt aus dem Gefrierfach im vorgeheizten Ofen erhitzt, verträglicher sein, als das Essen von gestern, welches zwischendurch m Kühlschrank stand und dann auf dem Küchentisch wieder auf Zimmertemperatur gebracht wird.
Da viele Zusatzstoffe Histaminfreisetzung triggern können, also Histaminliberatoren sind, ist es vorteilhaft, wenn auf diese verzichtet wird und bevorzugt mit frischen Zutaten ohne Fertigprodukte gearbeitet wird.
Welche Lebensmittel im einzelnen vertragen werden, ist individuell, allerdings gibt es eine gewisse Grundtendenz, eine Liste hierzu findet sich in diesem Thread .
Antihistaminika
Bei eingetretenen Symptomen aber auch prophylaktisch - wenn sich der Verzehr histaminhaltiger Nahrungsmittel nicht vermeiden lässt - sind Antihistaminika wirksame Medikamente. Während der Karenzdiät sollen sie noch nicht eingenommen werden, da sie sonst die Reaktionen verändern können und man nicht sicher sagen kann, ob man ein Lebensmittel verträgt oder nicht.
Vitamin C und B6
In Einzelfällen kann eine Symptombesserung durch die Gabe von Vitamin C und B6 erreicht werden. Vitamin C in Dosierungen zwischen 1 und 3 Gramm täglich ist in der Lage, die Histaminspiegel bei Patienten mit Seekrankheit oder Mastozytose deutlich zu senken. Diese Wirkung kann man sich bei einer HI zunutze machen.
Dem Vitamin B6 wird eine Coenzym-Funktion für Diaminoxidase zugesprochen. Bei nachgewiesenem Vitamin-B6-Mangel ist eine Substitution (1/2 mg pro Tag und kg Körpergewicht) als therapeutische Maßnahme bei Histamin-Intoleranz und auch bei Neurodermitis sinnvoll. Bei eiweißreicher Ernährung wird eine höhere Vitamin B6-Aufnahme empfohlen[4], da zum Abbau von Proteinen Vitamin B6 gebraucht wird. Auf einen hohen Quotienten Vitamin B6 / Eiweiß in der Nahrung ist daher mehr zu achten als auf den Vitamin B6 – Gehalt selbst.
Cromoglycinsäure
Cromoglycinsäure (DNCG) bewirkt eine Reduktion der Gewebehistaminspiegel und der Histaminfreisetzung[5]. Dabei sind besonders Bauchschmerzen, Blähungen (Flatulenz), Migräne und atopische Dermatitis gut zu beeinflussen.
DAO-Ersatz
Bis heute [6] ist kein Medikament bekannt, welches die Diaminoxidaseaktivität deutlich erhöht. Das Nahrungsergänzungsmittel DAOsin enthält Schweinenierenextrakte, die auch Diaminooxidase enthalten sollen. Durch einen säurefesten Überzug geschützt, soll das Enzym im Darm freigesetzt werden und überschüssiges Nahrungshistamin abbauen. Die Ergebnisse von Studien[7] im Jahr 2006 zur Wirksamkeit gegen Symptome der Histamin-Intoleranz müssen noch abgewartet werden. Ob das Enzym im Darmlumen aktiv sein kann und ob Schweinenierenextrakte überhaupt DAO in ausreichend hoher Konzentration enthält, ist als zweifelhaft anzusehen.

Eine Übersicht über mögliche Antihistaminika und positve Verhaltensweisen bei HI findet sich hier .

Unverträgliche und Verträgliche Nahrungsmittel
Hier einige Beispiele für unverträgliche Nahrungsmittel , die problematische Substanzen bei HI enthalten, ein Histaminliberator sind oder die DAO blockieren:
  • Aubergine (=Melanzane) - Histamin
  • Bier - Tyramin, Histamin
  • Eiweiss - Histaminliberatoren
  • Fermentierte Nahrungsmittel - vasoaktive Amine
  • Getreide - Histaminliberatoren, Schimmeltoxine (Aflatoxine)
  • Japanische Hirse - Schimmeltoxine (Aflatoxine)
  • Kokosnuss - Schimmeltoxine (Aflatoxine)
  • Mais - Schimmeltoxine (Aflatoxine)
  • Paprika - Capsaicin
  • Schweinefleisch - Histaminliberatoren
  • Spinat - Histamin
  • Zitrusfrüchte - vasoaktive Amine, Tyramin, Chlorogensäure
Und noch einige Nahrungsmittel die normalerweise bei HI gut verträglich sind:
  • Reis
  • Kartoffeln
  • Haferflocken
  • Dinkel
  • Putenfleisch
  • Hähnchenfleisch
  • Butter
  • Milch
  • Sahne
  • Karotten/Möhren
  • Zucchini
  • Melone
  • Meersalz/Steinsalz
  • Pflanzenöl (zB Distelöl, desodoriertes Rapsöl)

Eine ausführliche Verträglichkeitsliste findet sich in diesem Thread . Und in diesem Thread wird darüber diskutiert, welche Lebensmittel am besetn verträglich sind.

Wirkung von Medikamenten auf den Histaminabbau [3]
Personen mit Histamin-Intoleranz sollten schmerzhemmende Medikamente mit folgenden Wirkstoffen meiden: Meclofenaminsäure, Mefenaminsäure, Diclofenac und Acetylsalicylsäure, da diese die allergenspezifische Histaminfreisetzung steigern. Schmerzhemmende Medikamente mit folgenden Wirkstoffen hemmen die die allergenspezifische Histaminfreisetzung bei Allergikern und sind daher für diese gut geeignet: Fenbufen, Levamisol und Ibuprofen. Histamin-H1-Rezeptorenblocker bewirken eine bessere Verträglichkeit von Histamin (sei es durch Zufuhr aus Lebensmitteln oder Bildung im Körper durch allergische Reaktionen).
Weitere Informationen gibt es hier und hier sowie hier .

Biogene Amine
Folgende biogene Amine wirken potentiell als Histaminliberatoren: Serotonin, Dopamin, Tyramin, Phenylethlyamin, Octopamin. Daher sollten größere Mengen von diesen Aminen nicht zu sich genommen werden. Sie sollten auch nicht gleichzeitig mit Histamin aufgenommen werden, da sie ebenfalls durch die Diaminooxidase abgebaut werden und das bevorzugt vor Histamin.

Quellen
  1. Reinhart Jarisch (2004): Histamin-Intoleranz, Histamin und Seekrankheit. Thieme, ISBN 3-13-105382-8
  2. Artikel Histaminintoleranz auf der Website des DAAB
  3. M. Guggenheim (1951): Die biogenen Amine und ihre Bedeutung für die Physiologie und Pathologie des pflanzlichen und tierischen Stoffwechsels, S. Karger, ISBN: 978-1144113857
Teile des Artikels basieren auf dem Artikel Histaminose aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

Weiterführende Info: Symptomliste Histaminintoleranz | Triggerliste Histaminintoleranz | Antihistaminikum | Karenzdiät | DAOsin

Kategorie: Hauptartikel | Nahrungsmittelunverträglichkeit